Das Puzzle wer du bist

Geht es dir auch so? Man glaubt felsenfest zu wissen, wer man ist, wohin man will und warum man an diesem Punkt gerade angelangt ist. Dann geht man um die nächste Ecke und stellt fest, dass alles ganz anders ist. Plötzlich erkennt man ganz neue Dinge und stellt fest, dass der Weg, den man eben noch für richtig befand, jetzt nicht mehr zu einem passt. Und man fragt man sich, wie konnte man vorher so davon überzeugt sein, wenn es doch jetzt ganz anders ist. Hat man sich so sehr getäuscht?

Sich selbst finden ist wie ein Puzzle zusammensetzen

Man hat sich nicht getäuscht. In jedem Augenblick ist das wie man sich selbst sieht mit all unseren Wünschen, Träumen und Zielen die Wahrheit. Aber mit jedem Schritt ändert sich das Bild, denn mit jeder Erkenntnis über uns Selbst finden wir ein neues Puzzelteil, welches das Bild verändert.

Ich betrachte den Weg zu sich selbst wie ein Puzzle mit unendlich vielen Teilen. Wenn wir auf die Welt kommen beginnen wir unser Puzzle zusammen zu setzen. Dabei helfen uns unsere Eltern, die für uns den Rahmen mit ihren Regeln, ihrem Verhalten und ihren Erwartungen bauen. Dem Rahmen entsprechend setzten wir dann selbst das Bild darin zusammen und lange empfinden wir dieses Bild als schön und vollständig.

Den Rahmen sprengen

Spätestens mit dem Erwachsenwerden finden wir jedoch weitere Puzzleteile, die irgendwie nicht mehr in den Rahmen passen. Wir versuchen die Puzzelteile hineinzudrücken, aber dadurch beginnt das Puzzel Beulen zu werfen. Manch einer lebt sehr lange mit diesen Beulen, andere hören auf nach weiteren Teilen zu suchen, um im Rahmen zu bleiben. Viele jedoch beginnen den Rahmen zu sprengen und sich auf die Suche nach ihrem eigenen Bild, ihrem inneren Selbst zu machen.

Jedes Teil verändert das Bild

Vielleicht hat man bisher nur blaue Puzzleteile gehabt und daher das Bild als Himmel oder Meer interpretiert und nun kommen auf einmal gelbe Puzzle teile hinzu. Kein Problem denkt man sich: Blauer Himmel über gelben Sonnenblumen. Wunderbar weiter geht´s! Aber mit jeder neuen Erfahrung, mit jeder Herausforderung finden wir neue bunte Puzzleteile für unser Selbstbild und stellen fest, dass weder das Bild vom Himmel noch das von den Sonnenblumen vor einem blauen Himmel richtig war. Wir sind dann enttäuscht und vielleicht fragen wir uns, wie wir nur so etwas vorher glauben konnten.

Wichtig ist zu verstehen, dass in jedem einzelnen Augenblick das Bild so wie es ist richtig ist. Wenn man nur blaue Puzzleteile hat, ist es nicht falsch das Bild als Himmel oder Meer zu interpretieren. Genauso ist jede folgende Interpretation in dem Moment richtig und auch die Schlüsse und Entscheidungen, die man darauf beruhend trifft. Das Bild unseres zukünftigen Selbst, können wir weder erkennen noch erahnen. Nur das gerade entstandene Bild ist unsere Wirklichkeit.

Wir entscheiden wie farbenfroh das Puzzle wird

Es gibt verschiedene Herangehensweisen beim Puzzeln. Es gibt Menschen, die suchen erst alle Teile einer Farbe heraus und setzen nur diese erst einmal zusammen. Und vielleicht sind sie damit auch schon zufrieden und suchen ihr ganzes Leben nur Teile mit dieser Farbe oder Abstufungen davon. Sie erschaffen ein Monochromes Bild. Anderen wagen sich mehr und finden noch zwei oder drei weitere Farben im Laufe ihres Lebens und erschaffen daraus ein stimmiges Bild mit schönen Farbverläufen.

Und dann gibt es da diese Gruppe, die durch Neugierde getrieben unbedingt entdecken will wie viele unterschiedliche Farben es wohl geben mag. Diese Menschen puzzeln einfach drauf los neugierig welches Bild entstehen wird. Anstatt linear wächst das Bild in alle Richtungen. Dies mag manchmal unkoordiniert aussehen, aber auch daraus entsteht ein schönes Bild, dass oft sehr farbenfroh ist. Mir ist ganz wichtig zu betonen, dass jeder Weg dieses Puzzel zusammen zu setzen richtig ist und jedes Bild, das entsteht einzigartig und schön ist.

Auch kunterbunte Bilder sind schön

Ich habe aber oft das Gefühl, dass in unserer Gesellschaft der monochrome Weg bevorzugt wird. Ja, sogar verlangt wird. Zu viele Farben und Veränderung werden oft mit Argwohn betrachtet. Es erscheint als wäre die Peron flatterhaft und wisse nicht genau was sie will. Mein Bild ist kunterbunt und ich selbst habe oft damit gehadert. Ich versuche immer wieder mich auf eine Farbe zu konzentrieren, aber das Leben hält so viele bunte Teile bereit. Ich war schon so oft überzeugt das Bild zu verstehen und dann hat sich alles wieder verändert. So oft habe ich mich gefragt, wie ich mich in meinem Bild so täuschen konnte. Es hat lange gedauert für mich anzuerkennen, dass auch kunterbunte Bilder schön sind und dass es ein Zeichen von Weiterentwicklung ist, wenn das Bild sich verändert. Mein Puzzle wird noch viele Bilder annehmen und dabei sich immer weiter vervollständigen, wobei es nie vollkommen sein wird.

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