Fang nie an aufzuhören und höre nie auf anzufangen

Dieses Zitat von Cicero hat mich heute durch den Tag begleitet. Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht. Fange nie an aufzuhören. Im Leben hören wir selten einfach auf mit etwas, sondern es ist ein Prozess, der langsam beginnt. Oft merken wir gar nicht, dass wir anfangen mit etwas aufzuhören und wenn wir es merken ist es oft schon zu spät. Ob in Beziehungen oder im Job, wir sind vielleicht unzufrieden mit der Situation und beginnen innerlich auf Abstand zu gehen. Wir orientieren uns langsam neu und plötzlich stehen wir dann vor dem Ende und fragen uns woher es kam. Aber nehmen wir uns durch diesen Prozess nicht viele Chancen?

In welchen Situationen hast du begonnen aufzuhören?

Ich habe das rückblickend viel zu oft gemacht. Ich hatte viele Jahre lang nur befristete Arbeitsverträge von 1.5 Jahren. Dieses Befristung hing jedes Mal über mir wie ein Damoklesschwert. Ich wusste immer dass es keine Verlängerung des Vertrages geben würde und dass nach 1.5 Jahren die Arbeitslosigkeit drohte. Mir war bewusst, dass ich recht bald wieder nach einer neuen Stelle suchen musste. Das hatte zur Folge, dass ich begann innerlich mit dem Job aufzuhören schon bevor ich richtig anfing zu arbeiten.

Verpasste Chancen

Rückblickend frage ich mich, ob ich mir dadurch nicht vielleicht Chancen verbaut habe. Wie kann man 100% geben, wenn ein Teil von einem schon damit beschäftigt ist einen neuen Job zu finden? In dem Moment, in dem ich begann mich neu zu orientieren, begann ich mit meinem Job aufzuhören. Dass spürt natürlich auch das Umfeld und reagiert darauf. Warum sollte man jemandem eine feste Stelle anbieten, wenn dieser schon auf dem Sprung ist? Ich kann nicht sagen, ob sich mir andere Chancen geboten hätten, wenn ich mich voll auf den Job konzentriert hätte. Ich weiß aber, dass ich definitiv nicht mein volles Potenzial ausgeschöpft habe. Und vielleicht haben eben genau diese 10%, die gefehlt haben, verhindert dass sich mir neue Türen geöffnet haben.

Höre nie auf anzufangen

Höre nie auf anzufangen! Wenn wir aufhören anzufangen, können wir nichts Neues erleben, keine Ziele erreichen und uns nicht mehr weiterentwickeln. Es würde Stillstand bedeuten und Stillstand führt bekanntlich zum Tod. Deshalb sollten wir immer wieder anfangen, immer wieder aufbrechen um Neues zu erleben.

„Allem Anfang wohnt ein Zauber inne“

Dieses Zitat von Hermann Hesse ist eines meiner Lieblingszitate. Wer kennt nicht diese freudige Aufbruchstimmung, wenn man etwas Neues beginnt. Ich liebe es etwas Neues zu beginnen, ein neues Projekt zu starten, etwas Neues zu lernen, neue Fähigkeiten zu entdecken. Es ist dieser Moment des Anfangs der tausend Möglichkeiten bereithält, der mich begeistert.

Was hält uns zurück?

Leider halten wir uns nur allzu oft selbst davon ab anzufangen. Wir finden hundert Gründe, warum wir nicht beginnen können. Im Inneren wissen wir dabei ganz genau, dass es sich hierbei lediglich um Ausreden handelt. Was uns wirklich zurückhält ist die Angst vor dem Neuen. Angst vor den vielen unbekannten Herausforderungen, die auf uns zukommen könnten. Wir Menschen lieben unsere Gewohnheiten, unsere Routine. Routinen erlauben unserem Gehirn in den Autopiloten Modus zu schalten und Energie zu sparen. Alles Neue hingegen bedeutet für unser Gehirn Arbeit und wir empfinden dies als Stress. Wollen wir uns aber weiterentwickeln im Leben, ist es zwingend notwendig diese Angst vor dem Neuen zu überwinden und anzufangen. Nur im tun ergeben sich ganz neue Perspektiven und Möglichkeiten. Wie kann man diese Angst nun überwinden

Ängste überwinden

Ich wende die Strategie der kleinen Schritte an, um diese Angst zu überwinden. Ich konzentriere mich dabei auf den ersten kleinen Schritt und dann auf den nächsten ohne mir das große ganze vorzustellen, das mir Angst machen könnte. Vor vielen Jahren habe ich mich zum Beispiel für meine Doktorarbeit in Australien beworben. Der erste Schritt war, dem dortigen Professor eine Email mit meiner Bewerbung zu schreiben. Ich habe mich nur auf diese Email und die Bewerbung konzentriert. Eine Email an einen Professor zu schreiben war machbar und kein Grund Angst zu haben. Hätte ich mich auf das große Projekt konzentriert, also darauf, dass ich allein für 4 Jahre nach Australien gehen würde, hätte ich diese Email niemals geschrieben. Aber so habe ich sie geschrieben und abgeschickt. Am nächsten Morgen hatte ich die Zusage des Professors in meinem Emailpostfach. Jetzt hatte ich Panik, aber absagen ging nicht mehr und das war gut so. Es war eine unglaubliche Zeit und Erfahrung, die ich niemals missen will.

Inspiration anzufangen

Die Geschichte einer alten Damen in dem Buch „Das Muschelprinzip“ von Peggy Patzschke, über das ich vor kurzem geschrieben habe, hat mich inspiriert. Diese Dame hat mit 80 Jahren angefangen Schlagzeug zu lernen und hat sich damit einen langen Wunsch erfüllt Musik zu machen. Die Autorin fragt sie warum es sich lohnt immer wieder etwas Neues zu beginnen. Die Antwort der alten Dame ist: „Das hält jung und auch im Alter ist es wichtig, immer wieder einen Neuanfang zu riskieren.“ Diesen Rat werde ich mir zu Herzen nehmen.

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